2. Ohrakupunktur
=auch Auriculotherapie genannt
Die Ohrakupunktur ist ein eigenständiges, in sich geschlossenes Behandlungssystem,
unabhängig
von der Körperakupunktur. Sie kann für diagnostische, als auch für therapeutische Zwecke
genutzt werden.
Bei fast allen Erkrankungen kann sie unterstützend eingesetzt werden.
Vorsicht ist geboten bei Notfällen,
Entzündungen / Verletzungen des Ohres oder schweren
Infektionskrankheiten. In diesen Fällen ist die Ohrakupunktur eher kontraindiziert.
Die ersten Hinweise auf die Reizung der Ohrmuschel gab es schon im 4. Jahrhundert v. Chr.
durch Hippokrates. Er versuchte durch einen Aderlass am Ohr die Impotenz zu heilen. Auch in
Persien und Ägypten wurde die Ohrakupunktur schon vor ca. 2000 Jahren zur Linderung von Schmerzen
und zur Empfängnisverhütung eingesetzt. Zur Zeit der Tang-Dynastie (618-907 n.Chr.) waren 20 vordere
und hintere Ohrpunkte bekannt.
Erst dem Franzosen Dr. Paul Nogier ist es zu verdanken, dass in den 50iger Jahren des letzten
Jahrhunderts die Ohrakupunktur in Europa populär wurde. Er verband altes chinesisches Wissen
mit nahöstlichen und afrikanischen Erfahrungen der Ohrreflexbehandlung. Heute werden sowohl das
traditionell chinesische Modell als auch Nogiers Modell in der Praxis angewandt.
Dies ist abhängig vom Therapeuten.
Organe, Körperabschnitte oder spezielle Körperfunktionen stehen innerhalb des Ohres mit über
100 Ohrreflexpunkten durch Nervenbahnen in Verbindung. Das heißt der ganze Körper wird in die
Ohrmuschel projiziert und jeder Teil des Körpers, seien es Knochen, Gelenke, Nerven, Arterien oder
innere Organe hat eine Projektionsstelle am Ohr. Aber auch sogenannte Störfelder (Beispiel: Narben,
tote oder eitrige Zähne, Entzündungen…), Mangelzustände (Beispiel: Vitamine) und sogar emotionale
Entgleisungen (Beispiel: Depression, Wut, Angst…) können am Ohr gefunden werden. Auffallend ist die
Lage der Punktanordnung am Ohr. Es wird ein Embryo in zusammengekauerter Stellung, mit Kopf nach
unten gerichtet, dargestellt
Die Ohrakupunktur kann beispielsweise bei der Schmerztherapie, bei Suchterkrankungen, bei Allergien oder
auch hormonellen Störungen eingesetzt werden.
Nach einer Anamnese suche ich mit einem Punktsuchgerät, welches vorher individuell auf den Patienten
geeicht wird, das Ohr nach belasteten Gebieten ab.
Die Beschwerden zeigen sich dabei in den entsprechenden Reflexpunkten am Ohr meist als
besonders druckschmerzhaft, eventuell ist sogar eine Hautveränderung an dieser Stelle sichtbar.
Ich benutze max. 5 Nadeln/Ohr. Die Verweildauer beträgt in der Regel ca. 20min.
Es können aber auch sogenannte Dauernadeln zum Einsatz kommen. Wenn zum Beispiel der
therapeutische Reiz bei chronischen Beschwerden zeitlich verlängert werden soll. In diesen Fällen
werden ca. 2mm lange Nadeln an den entsprechenden Punkten mit einem Pflaster fixiert. Sie verbleiben
mehrere Tage am Ohr und können vom Patienten selbst durch drücken oder bewegen stimuliert werden.
Weiter können auch Sandkornpflaster zum Einsatz kommen. Das sind kleine Pflaster mit kleinen Körnern
darunter, die den entsprechenden Reflexpunkt am Ohr akupressieren. Der Effekt hierbei ist jedoch
schwächer, als bei der Akupunktur.
Haben Sie weitere Fragen zur Ohrakupunktur, dann stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Simone Heller